Options-Beispiel

Würde ein informierter Anleger einen Call-Optionsschein auf den DAX bei aktuellem Stand
von 3922 mit folgenden Konditionen kaufen:
Call 4000 Restlaufzeit 9 Wochen; Preis € 200,-- ?

Obwohl bei solchen Scheinen immer mit einem attraktiven Hebel argumentiert wird, sollte man sich die Bedingungen besser etwas genauer ansehen.

Einleitend soll gesagt sein, dass auch bei schlechten Konditionen Gewinne möglich sind,

Die Analyse lautet: Damit der Anleger seinen bezahlten Kaufpreis am Ende der Laufzeit zurückbekommt, muss der DAX auf 4200 Punkte gestiegen sein.

Natürlich kann er auch während der Laufzeit wegen eines schwankenden Indexes steigen oder fallen.

Das heißt, dass der Index innerhalb von 9 Wochen um ca. 7 % steigen muss, damit der Käufer dieses Scheines keinen Verlust erleidet.

Wie aber sieht der Ertrag für den Verkäufer aus?

Bis zu einem Indexstand von 4000 erhält der Verkäufer 200 €,
jeder Punkt darüber verringert den Ertrag um 1 €

Wie würde Ihnen als Verkäufer dieses Scheines die Rendite gefallen?

 

 

 

 

Entwicklung eines Optionspreises während der Laufzeit


Restlaufzeit             9 Wochen    7 Wochen    4 Wochen
DAX-Stand                  3922              4013            4135
Optionsscheinwert         200.--           220.--           230.--
Aufgeld/Zeitwert           278.--           207.--            95.--

Natürlich kann der Erwerber dieses Scheines zu diesem Zeitpunkt mit dem absoluten Ergebnis von +30.-- € zufrieden sein.

 

Gilt das auch, wenn er sieht, dass der Dax um 210 Punkte gestiegen ist?


Genau hinterfragt muss er feststellen, dass er seinen Gewinn mit dem Verlust des Aufgeldes bezahlt hat.
Bezogen auf den Anstieg des Indexes ist sein Ertrag relativ gering.


Wäre der Anleger in der Situation der Bank gewesen und hätte auch die Überzeugung für einen steigenden DAX gehabt, so hätte er einen DAX-put 4200 mit gleicher Laufzeit verkaufen können. Die Wertentwicklung hätte dann folgendermaßen ausgesehen: 

Verkauf put 4200 Preis 380€

Restlaufzeit          9 Wochen    7 Wochen    4 Wochen
DAX-Stand                  3922            4013          4135
Optionsscheinwert        380.--          275.--         134.--
Aufgeld/Zeitwert           102.--           88.--           69.--

In diesem Falle hätte der Gewinn 246.-- € betragen.

Wenn man dieses Beispiel verstanden hat, muss doch jeder Käufer von Optionsscheinen davon träumen zum Verkäufer dieser Papiere zu werden.

Noch dazu, wenn man bedenkt, dass die Bank unter anderen auch diese beiden Optionsscheine verkauft hat.
Wie sich die unterschiedlichen Ergebnisse für Käufer und Stillhalter entwickeln sind in den Beispieltabellen bei Stillhalterstrategie aufgezeigt.


Warum wird er aber nicht zum Stillhalter?

Weil sich die Banken ungern ein gutes Geschäft (wie an dem Beispiel dargelegt) wegnehmen lassen, und daher über die Möglichkeit nicht informieren. 

Sollte ein Anleger aber über dieses Geschäft informiert sein, werden die finanziellen Erfordernisse so hoch angelegt, dass es für durchschnittliche Investoren nahezu unmöglich gemacht wird an diesem Geschäft teilzunehmen.

Außerdem verlangt diese Anlage permanente Beobachtung.

Ein Anleger, der Optionen verkauft wird keine Optionsscheine mehr kaufen.